Gerade die Industrie- und Handelskammern weisen mit eigenen Broschüren auf dieses wichtige Instrument hin, denn gerade kleine Unternehmungen fehlt oft die zweite Führungsebene, weil entsprechende Gehälter nicht bezahlt werden wollen, oder das nötige Vertrauen fehlt. Diese Firmen werden durch die Inhaber zentralistisch geführt. Daraus kann die Folgerung abgeleitet werden, dass das Unternehmen stillsteht, wenn der führende Kopf ausfällt. Damit werden Kunden- und Lieferantenbeziehungen, somit auch die Lebensgrundlagen der Angestellten gefährdet.
Nun werden viele Inhaber kleiner Firmen dieses Risiko kennen – dennoch bleibt die Etablierung leitender Angestellter ausgeschlossen, da ihre Kompensation nicht finanzierbar ist. Das mag sein, und wenn das Geschäftsmodell zum gedachten Übergabezeitpunkt attraktiv ist, wird auch der Interessent für die Nachfolge dies anerkennen. Im Übrigen gibt es an dieser Stelle auch Kompromisse, denn die operative Leistung im Betrieb kann man durchaus einem Stellvertreter ohne Procura überlassen, während Personalfragen, Preisgestaltung, Einkaufskonditionen, Verträge jeder Art und Angebote für Schlüsselkunden Sache des Chefs bleiben.
Was aber auch einem Nachfolge-Interessenten kaum zu vermitteln sein dürfte, ist die Abwesenheit einer Sammlung wesentlicher Dokumente, die eine schnelle Übersicht über die Organisation der Firma und deren Verantwortlichkeiten nachvollziehbar macht. Die verbreiteten Notfall-Handbücher folgen der Intention, dass geregelt und verfügbar sein muss, was wer mit welchem Mandat tun darf, um den Betrieb am Laufen zu halten, wenn der Entscheider ausfallen sollte. Diese Intention sollte aber für den Fall der Nachfolge deutlich erweitert werden, denn wenn Prozessbeschreibungen, Verträge für Drittschuldner, ja selbst Passwords für den Zugriff auf Daten nicht erreichbar bzw. dokumentiert sind, wird sofort Misstrauen gesät. Eine Vermutung über die Desorganisation auch der Buchführung kann die Folge sein.
Was also gehört in eine solche Dokumentation? Die folgende Auflistung zeigt die wichtigsten Elemente:
- Zu informierende Personen, Kontaktpersonen für betriebliche Funktionsbereiche, bestehende Vollmachten und Verantwortungen
- Password für Bereiche und Anwendungen
- Auftragsdokumente und Kalkulationen, Gewährleistungen und Garantien, Ansprechpartner und Verantwortliche bei Schlüsselkunden und -Lieferanten, sowie kreditierende Banken, bestehende Unternehmensbeteiligungen
- Betriebswirtschaftliche Informationen und Steuern, Geschäftskonten, Mieten, Leasingverträge, Versicherungen und Finanzierungen, Fuhrpark
- Sonstige Verträge und Urkunden, gewerbliche Schutzrechte bzw. Patente, Grundbucheinträge